Stolpersteine nach der Verlegung zum Gedenken an jüdische Bürger

Erste Stolpersteine in Hofheim i.UFr.

Am Sonntag, dem 29. September 2024, wurden vor den Häusern Hauptstraße 2, Obere Torstraße 2 und Marktplatz 6 für Sara und Isaak Rosenbach, Irma, David und Heinz Sündermann sowie für Sali Stern Stolpersteine verlegt. Beginn ist um 14 Uhr vor dem Anwesen Hauptstraße 2.

 

Sara und Isaak Rosenbach wurden 1942 in Theresienstadt ermordet (mehr).

David Sündermann starb 1941 in Berlin, seine Frau Irma und Sohn Heinz wurden 1942 im Ghetto Warschau ermordet (mehr).

Sali Stern floh 1934 nach Luxemburg und nahm sich 1939 angesichts der drohenden Deportation das Leben (mehr).

Rabbinerin Antje Yael Deusel aus Bamberg trug das Kaddisch und das El Male Rachamim vor, zwei der wichtigsten Gebete im Judentum. Chen Shen und Anton Mangold begleiteten die Feier musikalisch.

 Dr. Alex Klubertanz begrüßt die 200 Teilnehmer 

 Bürgermeister Alexander Bergmann bei seiner Ansprache 

 Chen Shen und Anton Mangold untermalten die Feier musikalisch 

 Die Stolpersteine für Sara und Isaak Rosenbach 

 Ein Berg Schuhe erinnert an das geplünderte Schuhgeschäft der Familie Sündermann 

 Prof. Jochen Oppenheimer erinnert an seine Großtante Sali Stern 

Jannina Hector bei der Kunstperformance: Die Bilderbahnen werden zerschnitten … 

 … und die Einzelteile an die Anwesenden verteilt. 

Fotos: Ulrike Carl, Alex Klubertanz

Zum Gedenken an Sali Stern sprach ihr Großneffe, Prof. Jochen Oppenheimer, der aus Lissabon angereist war. Er beklagte das Fehlen jeglicher Erinnerung an seine Großtante: »Sali Stern hatte sich schon 1939 das Leben genommen. Sie starb kinderlos, sie hinterließ keine Spuren. Ihren Namen findet man nicht im Gedenkbuch des Bundesarchivs. Es ist, als hätte sie nie gelebt. … In Hofheim erinnert nichts an sie. Aus den Mauern des Hauses am Kirchplatz schreien die Steine. Wer hört sie?«

Nach der Verlegung trafen sich die Teilnehmer zu einem Empfang bei Kaffee und Kuchen im Katholischen Pfarrsaal .

Die Hofheimer Künstlerin Jannina Hector hat anlässlich dieser Stolpersteinverlegung eine Serie von grafischen Drucken geschaffen. Ausgehend von der Tatsache, dass kaum noch Zeugnisse von den Menschen vorhanden, derer wir gedenken, dass ihr Leben, ihre Kultur, ihr Alltag fast völlig vergessen sind, hat Jannina Hector Motive fragmentarischer Erinnerungen auf lange Bahnen gedruckt. Im Anschluss an die Verlegung der Stolpersteine sollte dieses Kunstprojekt als Ganzes verschwinden. Die Gäste der Gedenkfeier nahmen die Einzelteile davon als Erinnerung an diesen Tag mit nach Hause, sodass die Zeugnisse unserer Gedenkfeier – wie die Erinnerungen an die Opfer, derer wir gedachten – nur fragmentarisch verstreut in der Welt zu finden sein werden.

Die Veranstaltung wurde unterstützt von Demokratie leben und ESN Tischtennis Technologie Hofheim.

Foto: Ulrike Carl

14. 6. 2024: In Hofheim i. UFr. wird ein steinerner Rucksack aufgestellt, der Teil des partizipativen Mahnmals DenkOrt Deportationen ist. Vor dem Würzburger Hauptbahnhof, von wo aus zwischen 1941 und 1943 die meisten Transporte aus dem damaligen Gau Mainfranken in die Vernichtungslager und ins KZ Theresienstadt abgingen, stehen Gepäckstücke aus Stein, Metall, Keramik. Jedes dieser Gepäckstücke trägt den Namen einer Gemeinde in Unterfranken; ein Duplikat des jeweiligen Gepäckstücks steht in der Herkunftsgemeinde der Opfer.


Bürgermeister Bergmann enthüllte das Denkmal; unser Verein sorgte für die Gestaltung der Feier. Künstlerische Höhepunkte waren die musikalische Begleitung durch den Saxophonisten Anton Mangold und die eindrucksvolle Gehwegkalligrafie der Hofheimer Künstlerin Melina Müller: Zwischen Marktplatz und dem ehemaligen Bahnhof, wo der Rucksack seinen Platz gefunden hat, wurden die Gehwege mit den Namen jüdischer Bürger bemalt, die einst in Hofheim lebten. 

Die Veranstaltung wurde unterstützt von Rotary Club Haßfurt und Lions Club Haßberge.

 Am Vortag: Melina Müller beschriftet die Gehwege der Bahnhofstraße  

 Von links: Anton Mangold, Landrat Wilhelm Schneider, Dr. Alex Klubertanz, Bürgermeister Alexander Bergmann 

 Michael Stolz vom Verein DenkOrt Deportationen 

 Stadtarchivar Hans Reuscher, Bürgermeister Alexander Bergmann 

 Vor der Enthüllung am ehemaligen Bahnhof 

 Die Kirchenvertreter: Pfarrer Manuel Vetter, Dekanin Anne Salzbrenner 

Fotos: Ulrike Carl

Am 11. 11. 2023 fand die zweite Verlegung von Stolpersteinen in Haßfurt statt. Vor dem Anwesen Anstaltsgäßchen 2 wurden Steine für die Geschwister Babette und Löb Lonnerstädter verlegt, vor dem Haus Zwerchmaingasse 11 Steine für die Geschwister Babette und Julius Goldmann. (mehr)

Klaus Neubert, Alexander Stöhr (Gitarre) und Dr. Heiner Goschenhofer (Bratsche) untermalten die Feier musikalisch. Beim anschließenden Empfang im Evangelischen Gemeindehaus las die Übersetzerin Olga Geisler Gedichte von Opfern des NS-Regimes.

Die Verlegung wurde unterstützt von der Stiftung der Sparkasse Ostunterfranken und avm-institute Bamberg.

 Stolpersteine für die Geschwister Lonnerstädter am Anstaltsgäßchen 2 

 Klaus Neubert und Alexander Stöhr 

 Dr. Alex Klubertanz begrüßt die Anwesenden 

 Stadträtin Kim Davey spricht zu den Anwesenden 

 Gunter Demnig beim Verlegen der Stolpersteine 

 Stolpersteine für die Geschwister Goldmann 

 Kim Davey, 2. Bgm. Norbert Geier, Anabel Diehm und Niklas Heusinger  

 Dr. Norbert Goschenhofer 

 Olga Geisler liest Gedichte von Holocaustopfern 

Fotos: Ulrike Carl

Film: Ben Surkamp

Am Pfingstmontag 2023 wurden die ersten Stolpersteine vor dem Anwesen Hauptstraße 23 verlegt. Sie sollen an das jüdische Ehepaar Rosenthal erinnern, das zusammen mit dreien seiner fünf Kinder ermordet wurde. Nur den ältesten Geschwistern Hermann und Friedel gelang die Flucht nach England beziehungsweise Palästina. (mehr) 

Rabbinerin Antje Yael Deusel aus Bamberg sprach das Kaddisch, eines der wichtigsten Gebete im Judentum. Eine Schülerin und drei Schüler des Haßfurter Regiomontanus-Gymnasiums trugen Einzelheiten zur Familie Rosenthal vor.

Ganz besonders freuen wir uns, dass es gelungen war, Nachkommen der Haßfurter Rosenthals ausfindig zu machen. Zusammen mit seiner Ehefrau Bina und seinen Söhnen Charles und Akiva reiste aus England Meir Rosenthal an, der Sohn des damals auf die Insel geflüchteten Hermann.  Bina Rosenthal verlas eine Grußbotschaft, die von den in Israel lebenden Nachfahren Friedels initiiert worden war: »Lasst das Stolperstein-Projekt zu einer Quelle der Zufriedenheit für unsere Vorfahren im Himmel sein und eine Erinnerung für uns und weitere Generationen, dass niemals mehr solch Versagen wie in der Vergangenheit wieder passieren wird«.

Bürgermeister Günther Werner begrüßte die Anwesenden und warnte in seiner Grußbotschaft vor dem Wiedererstarken menschenverachtender Ideologien. Regine Brand (Viola) und Klaus Neubert (Gitarre) untermalten die Feier musikalisch. Die Schauspieler Maike Jansen und Stefan Ferencz aus Hofheim, die sonst mit ihrem mobilen Theater »Pohyb's und Konsorten« durch die Lande reisen, inszenierten eine fiktive Begegnung des Geschwisterpaars Hermann und Friedel: Auf einem  Spaziergang zur ehemaligen Synagoge und zum Mahnmal an der Promenade zeigten sie, wie sich die beiden an ihre Jugend in Haßfurt erinnert haben könnten, wenn sie sich in den 60er-Jahren hier noch einmal getroffen hätten (hier zum Nachhören).

Die Verlegung wurde unterstützt von der Raiffeisen-Volksbank Haßberge und der Allianz Main und Haßberge e.V.

 Bürgermeister Werner begrüßt die 200 Anwesenden 

 Gunter Demnig verlegt sieben Steine für die Rosenthals 

Familie Rosenthal: Akiva, Meir, Bina, Charles (v.l.n.r.)

 Regine Brand (Viola) und Klaus Neubert (Gitarre) 

 Schüler des P-Seminars am RMG tragen die Lebensdaten der Opfer vor 

 Bina Rosenthal verliest die Grußbotschaft 

 Rabbinerin Dr. Antje Yael Deusel spricht das Kaddish 

 Maike Jansen und Stefan Ferencz am Beginn ihrer Performance 

 Vor der ehemaligen Synagoge 

 An der Promenade. Vorne: Meir Rosenthal 

 Meir Rosenthal am Mahnmal an der Promenade 

 Empfang im Alten Rathaus 

 Familie Rosenthal vor den Porträts
ihrer ermordeten Angehörigen  

Fotos: Ulrike Carl, Christian Licha

Verein Gründung neugewählter Vorstand

6. 10. 2022: Gründung des Vereins »Stolpersteine Haßberge«. In den Vorstand werden gewählt (von links nach rechts): Jürgen Mohr (Schriftführer), Monika Pfeuffer (Schatzmeisterin), Dr. Alex Klubertanz (Vorsitzender), Kim Davey (stellvertr. Vorsitzende).

Dezember 2021: Erste informelle Initiative zur Verlegung von Stolpersteinen in Haßfurt. Parteien und Kirchen signalisieren Unterstützung.


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