Wir erinnern: an das Novemberpogrom …
Am Montag, dem 9. November, um 17 Uhr, erinnern wir am Mahnmal in der Promenade in Haßfurt im Rahmen einer Feierstunde an die »Reichskristallnacht« am 9. 11. 1938. Wir gedenken der Opfer dieses Pogroms, in dessen Verlauf 1400 Synagogen und Betstuben zerstört, 30.000 Juden verhaftet und zwischen 1000 und 2000 ermordet wurden. Von diesem Zeitpunkt an wurden Juden in Deutschland nicht mehr »nur« diskriminiert – die Reichskristallnacht steht am Beginn der systematischen Unterdrückung, bis hin zu Vertreibung und Massenmord. Das Pogrom war ein früher Höhepunkt der antisemitischen Ausrottungspolitik der Nationalsozialisten. Es sollte nicht der letzte sein …
… und an die Deportationen
Einer dieser traurigen Höhepunkte war für den Landkreis Haßberge die Deportation der hier noch ansässigen Jüdinnen und Juden im April 1942. Sie wurden in Würzburg zusammengeführt und dann nach Osten in die Vernichtungslager gebracht (das Bild zeigt die Opfer in Würzburg vor dem Abtransport). An diese Verschleppung erinnert die steinerne Gepäckrolle, die als Teil des dezentralen Mahnmals »DenkOrt Deportationen« (mehr) neben dem von Chana Pines gestalteten Denkmal in der Promenade liegt.
Die Stadt Haßfurt und Stolpersteine Haßberge e.V. haben eine Gedenktafel entworfen und herstellen lassen, die Informationen zur Deportation der mainfränkischen Juden und dem Mahnmal liefert. Bürgermeister Michael Spies wird die Tafel bei der Feierstunde enthüllen und der Öffentlichkeit übergeben. Die Tafel ist in Material und Gestaltung an das Pines-Denkmal angepasst (siehe Skizze unten).
Stolpersteine werden wie Pflastersteine bündig im Bürgersteig verlegt, auf der Oberseite haben sie eine ca. 10 x 10 cm große Messingplatte mit eingeschlagenen Lettern. Wer z.B. in Haßfurt die Hauptstraße entlanggeht, kann seit Juni 2023 vor dem Haus Nr. 23 lesen »Hier wohnte Selma Rosenthal, geb. Lonnerstädter, Jahrgang 1885, deportiert 1942, Transit-Ghetto Krasniczyn, ermordet«. Auch ihrer Familienmitglieder Jonas, Cäcilie, Karoline und Therese wird hier gedacht. Kurz innehalten, erinnern, gedanklich stolpern ist das Ziel.
Im Landkreis Haßberge bemüht sich der Verein »Stolpersteine Haßberge« um das angemessene Gedenken und will vermitteln, dass jedes Opfer des Nationalsozialismus einen Namen, eine eigene Geschichte, ein individuelles Schicksal hat – und einen Ort, mitten in unserer Stadt, unserem Dorf, unserer Gemeinschaft. Er erinnert aber auch daran, dass Unterfranken einerseits vor 1938 den größten jüdischen Bevölkerungsanteil in ganz Bayern hatte, andererseits die fränkischen Bezirke Hochburgen des Antisemitismus waren.
Stolpersteine Haßberge e.V. ist ein breites Bündnis, getragen von engagierten Bürgern, unterstützt von Einzelpersonen, Glaubensgemeinschaften, Parteien, Verbänden und Organisationen. Jeder Bürger kann eine Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen. Und jeder kann sich mit einer Spende und durch Mitarbeit beteiligen (mehr).
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig gibt es seit einem viertel Jahrhundert. Sie werden in inzwischen 30 Ländern verlegt und gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Wenn Sie mehr über die Geschichte der Stolpersteine erfahren wollen: Gunter Demnig hat Anfang 2024 dem Bayerischen Rundfunk in der Sendung »1 zu 1: der Talk« über sein Lebenswerk erzählt. Das Interview können Sie hier anhören:
Gunter Demnig bei der ersten Verlegung in Haßfurt an Pfingsten 2023.
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