Ein verlorenes Leben.
Stolperstein für Konrad Wendler

Am Sonntag, dem 19. April 2026 um 14 Uhr, wird in Ebern vor dem Schumacherhaus, Ritter-von-Schmitt-Str. 8, ein Stolperstein für Konrad Wendler verlegt.  

Konrad Wendler, geboren am 11. 3. 1893 in Ittling im Nürnberger Land, war als außergewöhnlich begabter Handwerker bekannt. Der gelernte Uhrmacher verfügte über ein besonderes technisches Talent – man sagte über ihn, dass er jede Maschine wieder zum Laufen brachte. 

Ein weiteres Talent zeichnete Konrad Wendler aus: seine Musikalität. Wendler beherrschte fünf Instrumente. Durch seine regelmäßigen Auftritte mit einer Tanzkapelle und einer Schuhplattlergruppe war er gesellschaftlich fest integriert. Die Tanzkapelle spielte in den Dörfern der Umgebung regelmäßig zur Kirchweih und anderen Festivitäten auf.


Konrad Wendler, 4. v.r., mit seiner Tanzkapelle.

Im September 1941 wurde Konrad Wendler an seinem damaligen Arbeitsort in Fürth in »Schutzhaft« genommen. Die genauen Hintergründe seiner Verhaftung lassen sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären. Seine Tochter Brigitte notierte später in ihrem Tagebuch, er sei wegen Volksverhetzung und Spionage zu eineinhalb Jahren Schutzhaft verurteilt worden.

Nach Ablauf der Haftzeit wurde Konrad Wendler im August 1943 ohne erneutes Gerichtsurteil direkt in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Dort wurde er als politischer Häftling geführt. Als Zeichen dieser Einstufung musste er den »Roten Winkel«  tragen.

Konrad Wendler kehrte nicht mehr aus der Gefangenschaft zurück. Im April 1945 – nur kurz vor der Befreiung des Lagers – erhielt seine Familie in Ebern die Nachricht, dass er bereits am 12. 1. 1945 im KZ Dachau an Tuberkulose verstorben sei. Die gemeldete Todesursache diente in den Lagern oft als Standarddiagnose, um die tödlichen Folgen von systematischer Misshandlung und Entbehrung oder schlichten Mord zu verschleiern.


Ein Stolperstein ist ein Denkmal. Er regt zum Denken an, erinnert an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Stolpersteine liegen vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Verfolgten, bevor diese emigrierten, in die Vernichtungslager deportiert oder in den Suizid getrieben  wurden.

Stolpersteine werden wie Pflastersteine bündig im Bürgersteig verlegt, auf der Oberseite haben sie eine ca. 10 x 10 cm große Messingplatte mit eingeschlagenen Lettern. Wer z.B. in Haßfurt die Hauptstraße entlanggeht, kann seit Juni 2023 vor dem Haus Nr. 23 lesen »Hier wohnte Selma Rosenthal, geb. Lonnerstädter, Jahrgang 1885, deportiert 1942, Transit-Ghetto Krasniczyn, ermordet«. Auch ihrer Familienmitglieder Jonas, Cäcilie, Karoline und Therese wird hier gedacht. Kurz innehalten, erinnern, gedanklich stolpern ist das Ziel.

Im Landkreis Haßberge bemüht sich der Verein »Stolpersteine Haßberge« um das angemessene Gedenken und will vermitteln, dass jedes Opfer des Nationalsozialismus einen Namen, eine eigene Geschichte, ein individuelles Schicksal hat – und einen Ort, mitten in unserer Stadt, unserem Dorf, unserer Gemeinschaft. Er erinnert aber auch daran, dass Unterfranken einerseits vor 1938 den größten jüdischen Bevölkerungsanteil in ganz Bayern hatte, andererseits die fränkischen Bezirke  Hochburgen des Antisemitismus waren.

Stolpersteine Haßberge e.V. ist ein breites Bündnis, getragen von engagierten Bürgern, unterstützt von Einzelpersonen, Glaubensgemeinschaften, Parteien, Verbänden und Organisationen. Jeder Bürger kann eine Patenschaft für einen Stolperstein übernehmen. Und jeder kann sich mit einer Spende und durch Mitarbeit beteiligen (mehr).

‍Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig gibt es seit einem viertel Jahrhundert. Sie werden in inzwischen 30 Ländern verlegt und gelten als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Wenn Sie mehr über die Geschichte der Stolpersteine erfahren wollen: Gunter Demnig hat Anfang 2024 dem Bayerischen Rundfunk in der Sendung »1 zu 1: der Talk« über sein Lebenswerk erzählt. Das Interview können Sie hier anhören:

Gunter Demnig  bei der ersten Verlegung in Haßfurt an Pfingsten 2023.

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